Häufig gestellte Fragen

Welche Risikofaktoren sind bekannt, die zu einer Infektion mit dem Fuchsbandwurm führen können?

Infektionen können nur in Gegenden auftreten, wo der Fuchsbandwurm natürlicherweise vorkommt. In Mitteleuropa wird er in Deutschland, Österreich, der Schweiz und im Südosten Frankreichs angetroffen. Auch in Dänemark, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Liechtenstein, Polen, in der Tschechischen Republik, in der Türkei, Russland und anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion wurde der Parasit gefunden. Der Fuchs scheidet mit dem Kot infektiöse Eier aus, die im natürlichen Entwicklungszyklus von Nagetieren mit der Nahrung aufgenommen werden. An deren Stelle kann der Mensch treten, wenn er mit den infektiösen Eiern in Kontakt kommt. Auf welchen Wegen es zur Übertragung der infektiösen Eier auf den Menschen kommt und wie die Eier in den Magen-Darm Trakt gelangen, ist nicht bekannt. Eine Fall-Kontrollstudie kommt zu dem Ergebnis, dass Tätigkeiten in der Landwirtschaft und Hundebesitz die größten Risikofaktoren darstellen. Diskutiert wird zudem der Verzehr von kontaminierten Waldfrüchten, Pilzen, Fallobst, aber auch Gemüse und Salat aus dem Garten. Denkbar ist auch das Einatmen von Staub aus eingetrocknetem Fuchskot als Infektionsweg. Für Jäger kommt der direkte Kontakt mit dem erlegten Fuchs als Infektionsquelle in Betracht, Landwirte sind als wichtige Risikogruppe anzusehen. Neben Fuchs und Hund als Infektionsquelle darfen die Katze nicht außer acht gelassen werden, da sie ebenfalls den Fuchsbandwurm in ihrem Darm tragen kann und die für den Menschen infektiösen Eier mit dem Kot ausscheiden kann. Diese mögliche Infektionsquelle ist vor allem dann zu erwarten, wenn die Haustiere freien Auslauf haben und Mäuse fangen und verzehren. Die Fuchsbandwurmeier können auch an dem Fell der Tiere haften bleiben. Deshalb dürfte von infizierten Haustieren ebenfalls eine gewisse Infektionsgefahr ausgehen, auch wenn nicht genau bekannt ist, wie häufig es überhaupt zu Infektionen von Hund und Katze kommt. Nicht jeder, der sich mit den Eiern infiziert, erkrankt auch an der Echinokokkose. Personen sind bekannt, die Antikörper gegen den Parasiten gebildet haben (als Ausdruck, dass die Betreffenden bereits Kontakt mit dem Fuchsbandwurm hatten), aber niemals erkranken. Dies deutet darauf hin, dass genetische Faktoren eine wichtige Rolle spielen und dazu beitragen, dass die Erkrankung entsteht, oder der Parasit abgetötet wird, bevor er Schaden anrichten kann.

Wie häufig kommt es beim Menschen zu Erkrankungen durch den Fuchsbandwurm?

Jährlich ist bundesweit mit ca. 20-30 Infektionen zu rechnen. Gemessen an anderen Erkrankungen ist die Echinokokkose also auch in Ländern, wo der Fuchsbandwurm im Fuchs sehr häufig vorkommt, eine ausgesprochen seltene Erkrankung. Nicht außer acht lassen darf man aber, dass sich diese Infektionszahlen verändern können, wenn die Zahl der Füchse steigt, die Infektionsraten der Füchse zunehmen und Füchse vermehrt in städtische Gebiete vordringen.

Ist der Genuss von Brombeeren am Busch, also nicht direkt vom Boden, gefährlich?

Am Boden wachsende Früchte, Gemüse und Salat sollte man nach Möglichkeit in Gegenden, wo der Fuchs besonders häufig befallen ist, nur dann verzehren, wenn der Garten so umzäunt ist, dass der Fuchs nicht hinein kann. Je höher die Früchte hängen, umso geringer ist vermutlich die Gefahr. Grundsätzlich sollte man die Früchte gründlich mit Wasser reinigen. Das reduziert die mögliche Infektionsgefahr zumindest. Sofern Sie aus den Brombeeren Marmelade kochen, ist deren Verzehr völlig unbedenklich, da die Eier bei Temperaturen von über 60°C absterben. Eine Eigenbeweglichkeit besitzen die Eier nicht. Es ist also nicht zu befürchten, dass sie vom Boden auf den Baum "klettern" und dort womöglich Früchte kontaminieren.

Werden die Fuchsbandwurmeiner durch Kochen der Waldfrüchte getötet, und wenn ja, wie lange sollte man die Früchte, Kräuter usw. kochen?

Erhitzen bei mindestens 60°C für wenige Minuten töten die infektiösen Bandwurm-Eier zuverlässig ab.

Wie wird eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm nachgewiesen? Wie lange sind die Inkubationszeiten? Welche Symptome treten auf? 

Es können 5 bis 15 Jahre vergehen, bis eine Infektion symptomatisch wird. Diese lange Inkubationszeit ergibt sich aus der langsamen Vermehrung des Parasiten. Symptome treten auf, wenn das Parasitengewebe größere Teile der Leber verdrängt hat. Die Patienten entwickeln Oberbauchschmerzen, eine Gelbsucht; sie sind abgeschlagen, verlieren an Gewicht und zeigen eine vergrößerte Leber. Schon bevor diese Symptome auftreten, kann die Diagnose erfolgen. Hierzu müssen Ultraschall- und Blutuntersuchungen (Nachweis von Antikörpern gegen den Parasiten) durchgeführt werden. Es ist anzunehmen, dass schon nach wenigen Monaten nach Exposition diese Antikörper nachweisbar sind. Personen, die einem Infektionsrisiko ausgesetzt sind, wäre zu empfehlen, sich 1-2 mal jährlich diesen Untersuchungen zu unterziehen. Je frühzeitiger die Diagnose gestellt wird, umso besser sind die Heilungschancen. Ohne eine gezielte Behandlung (Operation, antiparasitäre Chemotherapie) verläuft die alveoläre Echinokokkose sehr häufig tödlich.

Gestern Abend war ich mit einem Jäger auf Ansitz und es wurde ein Fuchs geschossen. Zu meiner Überraschung traf der Jäger keine Vorsichtsmaßnahmen, im Gegenteil: seine zwei Dackel durften den erlegten Fuchs nach Herzenslust beuteln und der Fuchs wurde dann mit bloßer Hand zum Wagen getragen. In unserer Gegend soll jeder zweite Fuchs infiziert sein. Für mich stellt sich jetzt die Frage, ob ich durch den relativ engen Kontakt zu den Hunden und an diesem Abend auch zu dem erlegten Fuchs unter Umständen Eier aufgenommen habe. Sollte ich jetzt vorbeugende Maßnahmen ergreifen, z.B. Medikamente einnehmen oder eine Blutuntersuchung durchführen lassen?

Die geschilderte Verhaltensweise des Jägers ist leichtsinnig. Der direkte und ungeschützte Umgang mit einem potentiell infektiösen Fuchs stellt ein hohes Risiko dar, sich selbst zu infizieren. Für Jäger gilt die Empfehlung, den Kontakt zu erlegten Füchsen und frisch abgezogenen Fellen auf ein Minimum zu begrenzen. Die erlegten Tiere sollten nur mit Plastikhandschuhen angefasst und in einem dicht abgeschlossenen Behältnis transportiert werden. Ihnen wäre anzuraten, für sich in ca. 2-3 Monaten eine Blutuntersuchung auf Antikörper gegen den Fuchsbandwurm durchführen zu lassen. Diese Untersuchung sollte nach 6 Monaten und gegebenenfalls nach 12 und 24 Monaten wiederholt werden. Wiederholt exponierten Personen, wie im Fall des geschilderten Jägers, ist dringend anzuraten, sich regelmäßig 1-2 mal im Jahr dieser Blutuntersuchung zu unterziehen. Für diese Untersuchungen stehen in Speziallabors sehr empfindliche und spezifische Tests zur Verfügung. Von einer prophylaktischen Einnahme von Medikamenten (z.B. Albendazol) würde man zum jetzigen Zeitpunkt abraten. Sie ist nur bei einer nachgewiesenen Infektion indiziert.

Da ich als Jäger durchaus zur "Risikogruppe" gehöre, interessieren mich natürlich besonders Maßnahmen zur Früherkennung. Wie kann mein Arzt feststellen, ob ich bereits infiziert bin?

Eine regelmässige jährliche Ultraschalluntersuchung der Leber und eine Serumuntersuchung auf das Vorhandensein Echinokokken-spezifischer Antikörper sollten durchgeführt werden (s.o.).

Wir würden gerne aus im Wald gesammelten Waldmeisterpflanzen Bowle zubereiten. Bedenken haben wir dabei nach unseren jetzigen Kenntnissen bezüglich einer Fuchsbandwurminfektion. Wie groß ist dabei für uns das Risiko, wenn man davon ausgeht, dass die Waldmeisterpflanzen vor Ansatz der Bowle abgewaschen werden und sie anschließend in den Wein gehängt werden? Kann der Wein, mit einem Alkoholgehalt von schätzungsweise 10-12% eventuell noch vorhandene Bandwurmbestandteile /-eier inaktivieren?

Das Waschen möglicherweise kontaminierter Nahrungsmittel reduziert sich das Infektionsrisiko, beseitigt es aber nicht vollständig. Fuchsbandwurmeier sind sehr resistent gegenüber Umwelteinflüssen. Mit gängigen Desinfektionsmitteln können sie nicht abgetötet werden. Das trifft auch für Alkohol zu (erst recht in den niedrigen Konzentrationen, wie sie im Wein enthalten sind). Auch Kühlschrank- und Gefrierfachtemperaturen von +4°C bis -20°C tötet die infektiösen Eier nicht ab. Als wirksame Maßnahmen zu deren Abtötung haben sich folgende Vorgehensweisen erwiesen:

  • Gefriertruhe bei -80°C für wenige Tage
  • Erhitzen über 60°C für wenige Minuten
  • Erwärmen auf 45°C bei einer rel. Luftfeuchtigkeit von 85% für ein paar Stunden
  • Trocknen bei 25°C bei einer rel. Luftfeuchtigkeit von 25% für wenige Tage.

 

Können auch Hunde und Katzen als Ansteckungsquelle für den Fuchsbandwurm auftreten? Wie kann ich mich schützen?

Auch Hunde und Katzen können den Fuchsbandwurm in ihrem Darm tragen und infektiöse Eier ausscheiden. Insbesondere im Hund entwickelt sich der Parasit ganz normal, während die Katze als Wirt weniger geeignet scheint, da sich hier weniger Würmer entwickeln und auch weniger Eier produziert werden. Trotzdem müssen auch Katzen als mögliche Infektionsquellen gelten. Infektiöse Haustiere stellen möglicherweise eine besonders gefährliche Infektionsquelle dar, da sie mit dem Menschen in sehr engen Kontakt kommen. Deshalb sollen Hunde und Katzen, die im Freiland Mäuse fangen und fressen, alle 2 Monate einer Wurmkur unterzogen werden.

Wie wird der Hundebandwurm auf den Menschen übertragen?

Der Hundebandwurm, Echinococcus granulosus, ist eng verwandt mit dem Fuchsbandwurm. Er kommt allerdings in Deutschland so gut wie nicht mehr vor, ist aber in südlichen Ländern (Mittelmeerraum, Naher Osten, Ostafrika, Ostindien, China, Australien, Südamerika) noch weit verbreitet. Dieser Wurm lebt im Darm von Haushunden. Mit dem Kot werden die infektiösen Eier ausgeschieden, mit denen sich der Mensch infizieren kann. Bei Reisen in südliche Länder sollte daher bei Kontakt zu Hunden neben einer Tollwutgefährdung auch die Infektionsgefahr mit dem Hundebandwurm bedacht werden (insbesondere bei "selbstimportierten" Hunden. Die als zystische Echinokokkose bezeichnete Erkrankung ist durch das Heranwachsen einer flüssigkeitsgefüllten Zyste meist in der Leber und der Lunge gekennzeichnet. Die Behandlung ist in der Regel einfacher als die des Fuchsbandwurmbefalls.